Bewusstes Leben
von Eckhart Wunderle (Dipl.-Psych.)

Der Schlüssel dazu, sich eines glücklichen
und erfüllten Lebens erfreuen zu können,
ist der Bewusstseinszustand.
Das ist das Wesentliche.
Dalai Lama

Ein bewusstes Leben ist ein Leben in Achtsamkeit und Mitgefühl für sich selbst und alle Menschen und Lebewesen. Dazu gehören drei Bereiche, in denen wir als Mensch Bewusstsein kultivieren und uns damit entfalten können, zum Wohle von uns selbst und von allen Lebewesen und der Natur.

Der erste Bereich: Meditation und Achtsamkeit im Rückzug

Hier geht es um unsere Bewusstseinsentwicklung durch Achtsamkeit und Meditation. Eine spirituelle Praxis zu haben bedeutet, dass wir uns selbst ein Geschenk machen, indem wir uns eine Oase des inneren Friedens und der inneren Entwicklung gönnen. Diese Praxis beinhaltet zweierlei. Zum einen eine stille Praxis, im Rückzug an einen ungestörten Ort, an dem wir meditieren. Zum andern gehört zu dieser stillen Praxis eine Hinwendung zum Körper, wie Yoga, Chi Gong, Stretching, oder / und Sport bzw. Körperübungen. „Dein Körper ist dein Tempel“. Der freie Fluss der Energie, Vitalität und Gesundheit sind auf diesem Weg sehr bedeutsam und wertvoll.

Der zweite Bereich: Meditation und Achtsamkeit auf dem „Marktplatz“

Zur Praxis im Alleinsein fügt sich die Praxis im alltäglichen Getriebe Lebens. D.h. in unseren Begegnungen und Beziehungen, im Beruf, Freizeit - und unser Umgang mit anderen Lebewesen, besonders den Tieren und der Natur.
Das nennen wir „das Leben auf dem Marktplatz“ und der ist überall. Im ersten und zweiten Bereich geht es darum, meditatives Bewusstsein zu kultivieren, d.h. mehr und mehr im Jetzt und im Herzen zu leben und das Sein zu erfahren. Damit bekommt unser Leben eine andere Qualität. Diese wird ergänzt und noch vertieft, indem wir uns auch dem dritten Bereich eines bewussten Lebens zuwenden.

Der dritte Bereich: Ökologie – Ernährung - Konsum

Dieser Bereich wird oft vergessen, ist aber von entscheidender Bedeutung in den Auswirkungen, die unser Handeln in der Welt haben. Es geht hier um unsere Lebensweise, um das, was wir auch für andere Lebewesen, kommende Generationen und die Erde kreieren.

Wenn unsere Spiritualität sich nur um uns selbst
und einige andere Menschen dreht,
dann fehlt ihr etwas Wesentliches, nämlich das Bewusstsein,
dass unser Tun und Handeln sich auch auf andere Lebewesen
und den Planeten als Ganzes auswirkt.


Schaffen und hinterlassen wir Wohl oder Leid? In buddhistischer Sicht kreiert jeder Mensch während seines Lebens unvermeidlich Leid. Das können wir nicht ganz vermeiden. Wir können aber so leben, dass wir möglichst wenig Leid kreieren. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass wir immer auch uns selbst Leid zufügen, wenn wir anderen Lebewesen Leid zufügen. Gerade jetzt in der Zeit des Wandels 2012-2013 ... sind alle Menschen, auch gerade wir, die wir den inneren Weg gehen, aufgerufen, die eigene Lebensweise zu betrachten und zu überdenken.

  • Was esse ich?
  • Was kaufe ich?
  • Welche Kräfte fördere ich mit meiner Lebensweise?
  • Wie kann ich verantwortungsbewusst handeln?
  • Möchte ich Nachhaltigkeit unterstützen?

    Hier eine vorläufige Zusammenfassung, positiver Handlungsweisen:
  • Vegetarische Ernährung ist die beste Option oder zumindest eine Umstellung
  • auf sehr wenig tierische Ernährung. Wenn Fleisch, dann Bio- Fleisch.
  • Kein Fisch oder zumindest sehr selten und dann Bio
  • Eier nur von freilaufenden Hühnern und möglichst aus biologischem Anbau
  • Einkauf von Produkten aus nachhaltigem Anbau d.h. besonders Bioanbau
  • und aus dem Umkreis
  • Einkauf von Produkten die „Fair Trade“ Qualität haben, d.h. z.B.  gerechte Löhne,
  • keine Kinderarbeit etc.
  • Strom von natürlichen Ressourcen
  • Keine Produkte von Firmen, die Gen-Technik befürworten und in ihren Waren verkaufen
  • Kosmetik ohne Tierversuche (ist noch immer nicht selbstverständlich)
  • Bei Erkrankung, soweit möglich, Naturheilmittel nehmen oder Generikas
  • (Nachahmer-Produkte), d.h. Tierversuche nicht unterstützen
  • Keine Firmen, Geldinstitute, Geldanlagen unterstützen,
  • die irgendwo an verantwortungslosen Geschäften beteiligt sind
  • Organisationen unterstützen, die sich für in Ökologie, Tierschutz,
  • Umweltschutz einsetzen und für Menschen in Not.

Tiere und vegetarische Ernährung

Für den Fleischkonsum werden jährlich weltweit 53 Milliarden! Tiere getötet, die ihr Leben fast ausnahmslos unter qualvollen Bedingungen gelebt haben. Von 100 Tieren haben 99 nicht wirklich gelebt. Sie haben ein kurzes und schmerzvolles Leben, das in Todesangst endet. Zu beschreiben, was in der Massentierhaltung tagtäglich vor sich geht, möchte ich euch hier ersparen ...  Es ist ein Tabuthema, das wir gerne verdrängen...

Grausamkeit gegen Tiere kann weder bei wahrer Bildung
noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen.

Alexander von Humboldt

Die Futtermittelindustrie besetzt heute weltweit 50% der Agrarfläche. Wir riskieren das Leben auf diesem Planeten, das ökologische Gleichgewicht, und ganz oben bei den Schuldigen steht unser Fleischverzehr. Anderswo hungern Menschen. Der Fleischkonsum ist weltweit kontinuierlich ansteigend. Das renommierte World Watch Institut berichtet, dass die Massentierhaltung mit ihren Folgen (Regenwaldvernichtung, Landschaftsfraß, Transport und C02-Verbrauch) für den Verbrauch von 51% der Gase, die zur globalen Erwärmung führen, verantwortlich ist. (Quelle: Geseko von Lüpke, We eat the future) „Schließlich wird die Verelendung ganzer Völker und Nationen auch durch die Zerstörung der Umwelt ausgelöst, durch Umweltverschmutzung, unsauberes oder mangelndes Wasser, Erderwärmung. Und auch hier spielt die Gier nach frischtoten Tieren eine Rolle, denn eine erschreckende Zahl macht seit kurzem die Runde: 51 Prozent! „ (Petra Steinberger, Nicht Fisch! Nicht Fleisch!, SZ 9.1.10.) Wenn man die ökologischen Folgen betrachtet, so ist das Essen von Fleisch heute keine Privatsache mehr.

Fischkonsum:
“was internationale Fischfangflotten innerhalb weniger Jahrzehnte in den Ozeanen angerichtet haben, muss als globale Massenausrottung bezeichnet werden. Manche Kritiker halten die Fischerei mit modernen Technologien für die zerstörerischste Aktivität, die zurzeit auf unserer Erde stattfindet.“ Franz Kafka sagte, als er schließlich zum reinen Vegetarier geworden war, beim Anblick von Fischen in einem Aquarium: "Nun kann ich euch in Frieden betrachten, ich esse euch nicht mehr." (Petra Steinberger.) (Es gibt die wichtigen Omega-Fettsäuren in hoher Qualität auch in biologischen Ölen, z.B. Leinöl zu kaufen, deswegen braucht man also keinen Fisch zu essen.)

„Tiere können fühlen und empfinden, nicht nur die Primaten, inzwischen machen Forscher kognitive Studien an Gänsen. Ihre Intelligenz? Man verdrängt sie. Es sind doch nur Tiere. Sie sind nicht wie wir. Sie haben keine Vergangenheit und keine Zukunft. Ohne uns und unsere Fürsorge gäbe es Nutztiere ja gar nicht. Unsere Erhebung über Lebewesen, die Schmerz und Zuneigung und Angst empfinden wie wir, ist geradezu eine psychologische Meisterleistung“. Quelle: (Petra Steinbürger.)
Und Tim Neshitov schreibt in der SZ (8.7.12): „Man muss kein Vegetarier sein, um zu ahnen, dass Massentierhaltung nicht nur der Ernährung der Menschheit dient, sondern auch der Geldvermehrung der Fleischindustrie. Jeder Erwachsene, der es wissen will, weiß, dass Massentierhaltung Tierquälerei bedeutet. Man könnte das, was weltweit Milliarden Kühen, Hühnern und Schweinen widerfährt, einen Krieg von Menschen gegen Tiere nennen ... Statt Selbstreflexion hat die Massentierhaltung also eine Kulturtechnik verstärkt, auf die man heute angewiesen zu sein glaubt – Ausblendung ... Das Prinzip "Aus den Augen, aus dem Sinn".

Tiere sind meine Freunde,
und ich esse meine Freunde nicht.

George Bernhard Shaw

Es gibt noch andere Folgen des Fleischkonsums. Der bekannte Arzt und Psychotherapeut Rüdiger Dahlke meint, dass die steigende Anzahl von Angststörungen und Depressionen teilweise durch die Fleischnahrung erzeugt wird. Schweine und Rinder werden depressiv unter den Haltebedingungen, und schließlich   schütten die geängstigten Tiere, bevor sie unter schlimmen Umständen sterben müssen, Angsthormone aus. Die Menschen essen das mit. „Wer Fleisch isst verleibt sich das Leid und die Qual der Tiere im wahrsten Sinne des Wortes ein und muss sich die Frage stellen, ob er das wirklich unterstützen will“ (Quelle: Rüdiger Dahlke, Peace Food.) Dass außerdem in der Massentierhaltung zur Profitmaximierung diverse chemische Substanzen und  „Medikamente“ verwendet werden, ist bekannt. Doch selbst, wenn wir auf Bio Fleisch umstellen, bleibt die Frage: „Wieso sollte ich mich am Töten eines Tieres beteiligen, wenn ich mich auch ohne das mindestens so gut und so gesund ernähren kann!?“

Die Geschichte vom tapferen Stier
Der Anlass diesen ganzen Text zu schreiben, fand ich an einem Tag im Mai 2012. Ich saß in der S-Bahn, Richtung Stattmitte. Da las ich in der Zeitung, dass Tags zuvor ein Stier im Schlachthof beim Ausladen die Flucht ergriffen hatte. Er muss gespürt haben, dass er in großer Gefahr war. Er war nicht mehr einzufangen und so kam die Polizei mit drei Mannschaftswagen. Ihr könnt euch vorstellen, was geschah ...
Dann kam ich in am Marienplatz an und ging ins Cafè. Als ich mir einen Platz suchte, sah ich auf einem verlassenen Tisch die Reste eines Frühstücks auf den Tellern. Es sah aus, als hätte hier jemand seinen halben Teller mit Wurst übriggelassen. Die Bedienung sagte mir als ich sie frug, dass das alles weggeworfen wird. Mir wurde wiedereinmal klar, dass wir in einer Kultur leben, in der es an der Tagesordnung ist, andere Lebewesen zu quälen, zu töten und manchmal auch noch ihr Fleisch dann wegzuwerfen.Was ein Skandal, aber einer der ja ganz “normal“ ist.

Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation
kann man daran erkennen, wie sie Tiere behandelt.

Mahatma Gandhi

Nachhaltiger Konsum
„Das Konzept der Nachhaltigkeit beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren Systems in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise regeneriert werden kann.“
(Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltigkeit)
Also können wir bedenken und uns erkundigen ob die Dinge, die wir uns kaufen aus nachhaltig geführten Produktionen kommen. Keine Produkte, in denen Gen Technik verwendet wurde. Thema Energie: Wir können auf Ökostrom umschalten.

Unterstützung positiver Kräfte
Wir können Firmen und Organisationen unterstützen die im Kontext des neuen Bewusstseins positives bewirken, indem wir dort einkaufen oder durch Mitgliedschaft oder gelegentliche Spende und der Teilnahme an Petitionen. Z.B. Greenpeace, Tierschutzorganisationen, Robin Wood, Attac, wie auch SOS-Kinderdörfer, Amnesty International u. a.

Wenn man bewusst lebt, ist es ist ganz natürlich auch zu geben,
wenn man kann - und das Geschenk ist immer auch beim Gebenden.
Es öffnet das Herz und erfreut.


Mit diesen Zeilen möchte ich einen Anfang machen, etwas Wesentliches, das mich im Innersten bewegt, weiterzugeben. Dieser Text wird weiter entwickelt. Für Anregungen bin ich dankbar. Er ist nicht dafür gedacht zu sagen, was du tun sollst, es geht nicht um ein neues „du sollst“. Es geht um mehr - und das bedeutet, in sich Selbst Antworten zu finden. Dafür benötigen wir Wissen und Verstehen. In diesem Sinne kann diese Schrift helfen, dass wir uns unserer eigenen Verantwortung bewusst werden und unserer eigenen Empfindung folgen.

Wir wollen die höheren menschlichen Werte in unser Leben bringen:
Freundlichkeit, Sanftheit, Wertschätzung ...
Und die Fähigkeit zu lieben und sich zu freuen.
Wenn ihr die essenziellen menschlichen Werte versteht und verwirklicht, wird euer Leben eine andere Bedeutung bekommen ...

H.A. Almaas


Weitere Informationen: Literatur – Links - Meditationen

Zum ersten und zweiten Bereich: Meditation - Achtsamkeit - Mitgefühl

  • Osho / Meditationsführer / Goldmann-Arkana:
  • Thich Nhat Hanh / Das Wunder der Achtsamkeit / Theseus

Grundformen der Meditation, im Rückzug (Alleinsein) sowie für den Alltag, können hier in unserer Homepage – unter Meditationen - eingesehen und auch kopiert werdenx: spirituelle-psychologie.com/meditationen.html

Zum dritten Bereich: Ökologie – Ernährung – Konsum

  • Christian Opitz, Befreite Ernährung, Hans-Nietsch Verlag
  • Ruediger Dahlke: Peace Food / Gräfe und Unzer
  • Nina Messinger / Du sollst nicht töten / Smaragd Verlag

www.veggiswelt.de/gruende.htm (vegetarische Ernährung)
www.peta.de/shoppingguide (tierfreundlicher Einkaufsführer)
www.ecoshopper.de (ökologischer Einkaufsführer)
www.fairtrade-deutschland.de
www.greenpeace.de